Pößneck war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ein Zufluchtsort

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Gebetswochen-Auftakt im Stadtmuseum zeigt auf, dass Religion und Heimatgeschichte eng miteinander verwoben sind.

Nach Pößneck hat es in den vergangenen Jahren einige hundert Flüchtlinge verschlagen und das erscheint manchem unerhört. Bei näherer Betrachtung ist das aber nichts Neues für die Stadt. Pößneck ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ein Zufluchtsort gewesen, zeigte Heimatkundler Karl Ernst am Samstag in einem Vortrag im Stadtmuseum Pößneck anhand etlicher Beispiele auf. So verschlug es beispielsweise in der Folge der Reformation Glaubens- Vertriebene aus den Niederlanden und von der polnischen Grenze an die Kotschau. Nach der Pest wurde gern eine große Schar Österreicher aufgenommen und auch zahlreiche Franken fanden in Pößneck Schutz. Mitten im Dreißigjährigen Krieg brachte die damals viel kleinere Stadt also nicht nur die eigenen Einwohner, sondern auch unzählige Flüchtlinge durch – eine Gemeinschaftsleistung, die heutige Vorstellungen übertreffen dürfte und an welcher Pößneck ganz offensichtlich nicht zerbrach.

 

Karl Ernst hätte noch Stunden über Einwanderer, Durchreisende und Auswanderer aus religiösen und anderen Gründen erzählen können. Es hatte ihm eine knapp 30-köpfige Runde zugehört, die die Eröffnung der diesjährigen ökumenischen Gebetswochen in Pößneck und Umgebung feierte. Zwei Wochen lang, in insgesamt neun Veranstaltungen, beschäftigen sich Christen der Kirchgemeinden und Vereine im hiesigen Ökumenischen Arbeitskreis mit verschiedenen Facetten des Gebetswochen- Leitmotives „Als Pilger und Fremde unterwegs“. Wie das so ist, seine Heimat zu verlieren und eine neue zu finden, erzählten im Stadtmuseum aus eigenem Erleben Johanna und Reinhold Schwesig, die vor fast genau 72 Jahren von jetzt auf gleich Ostpreußen ins Ungewisse hinein verließen, um letztlich im Orlatal anzukommen. Am Ende ihres berührenden Berichtes wünschte sich Johanna Schwesig, dass „wir“ zur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen finden, die auf der Suche nach einer neuen Heimat sind.

Matthias Hubich, Siegfried Reiher, André Jahn, Andreas Mulack und Ruben Hubich rundeten mit weiteren Beiträgen den von Matthias Creutzberg moderierten Nachmittag ab. Museumsleiterin Antonie Lau schien sichtlich zufrieden mit der inhaltlich starken Veranstaltung in ihrem Haus.

Quelle: Marius Koity, OTZ

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